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06. Dezember 2011 - Ehrenamtlich aktiv: Karin Mielke hilft den Menschen, mit Geld umzugehen
Genthinerin für langjähriges Engagement in der Haushaltsberatung geehrt.
Karin Mielke wurde am Sonnabend in Magdeburg für ihr ehrenamtliches Engagement ausgezeichnet. Seit acht Jahren ist sie in der Haushaltsberatung für das Diakonische Werk aktiv und hilft den Menschen bei der Ordnung ihrer Finanzen.
Karin Mielke ist eine bescheidene Frau. Sie spricht eigentlich gar nicht so gern über sich selbst, viel lieber redet sie über ihre Tätigkeit. Doch am vergangenen Sonnabend stand sie zur Auszeichnung am Tag des Ehrenamtes in Magdeburg mit einigen anderen engagierten Menschen aus Sachsen-Anhalt im Mittelpunkt. "Es war eine tolle Veranstaltung. Über die Einladung habe ich mich sehr gefreut", sagt die 59-Jährige, die in Genthin seit Jahren ehrenamtlich in der Haushaltsberatung aktiv ist.
Was das genau ist, wusste nicht einmal Regierungssprecher Dr. Franz Kadell, der die Genthinerin auf der Festveranstaltung in der Staatskanzlei interviewte. "Es ist ganz einfach", hat sie geantwortet. "Man stellt einfach Einnahmen und Ausgaben gegenüber und hilft Menschen dabei, die eigenen finanziellen Möglichkeiten einschätzen zu lernen." Sachsen-Anhalts Ministerpräsident Reiner Haseloff, ihr direkter Tischnachbar, hat darauf mit einem Lachen gerufen: "Herr Finanzminister! Wenden sie sich bitte an Frau Mielke."
Doch ganz so einfach, wie es Karin Mielke in Magdeburg beschrieben hat, ist es dann doch nicht. Die Tätigkeit ist komplex. "Ältere Menschen schließen beispielsweise Verträge am Telefon ab, die sie eigentlich gar nicht brauchen. Dann kommen sie zu mir und wir versuchen, das Problem zu lösen", sagt sie. Aber auch junge Menschen suchen sie für eine Beratung auf: "Sie haben oft mehrere Handyverträge und können ihre Vertragsverhältnisse nicht mehr allein überblicken." Eine weitere Gruppe sind junge Mütter, die allein nicht in der Lage sind, einen Kindergeldantrag auszufüllen. Karin Mielke macht dies dann mit ihnen zusammen.
"Geh doch mal zu Frau Mielke, die regelt das"
Obwohl die Haushaltsberatung für alle Menschen möglich und kostenfrei ist, hat 59-Jährige viel mit arbeitslosen Menschen zu tun. Und damit ist sie Gleiche unter Gleichen - denn auch Karin Mielke bezieht derzeit Hartz IV. "Deshalb kenne ich mich gut mit den Problemen der Menschen, die zu einer Beratung kommen, aus." Und Karin Mielke möchte ihnen helfen, darin hat sie eine Berufung gefunden. Trotz des Bezugs des Arbeitslosengeldes wäre es für sie die schlimmste Vorstellung, zuhause zu sitzen. "Meine Zeit kann ich wirklich sinnvoller einsetzen", sagt sie. Vor acht Jahren, im Jahr 2004, hat sie mit der Haushaltsberatung in Genthin begonnen. Zwischendurch wurde ihre Tätigkeit als ABM-Maßnahme oder 1-Euro-Job bezahlt, seit März ist sie wieder (nur noch) ehrenamtlich aktiv.
Das ist frustrierend, zumal sie vom Jobcenter nun auch wieder für andere Maßnahmen an anderen Orten eingeteilt werden wird. "Wenn das der Fall ist, muss ich meine Stunden in der Haushaltsberatung nach unten Schrauben. Dann habe ich nicht mehr so viel Zeit, um mich engagieren zu können", sagt Karin Mielke. Durch ihren Abschluss als Chemie-Ingenieurin kann sie von der Diakonie auch nicht fest angestellt werden - dafür fehlen ihr die entsprechenden beruflichen Qualifikationen im Bereich der Sozialen Arbeit.
"Individuelle Beratung ist genau mein Ding"
Ihre Beratungsqualitäten scheinen sich jedoch rumgesprochen zu haben. Bei der Tafel in Genthin ermutigen sich die Bedürftigen inzwischen untereinander, bei Problemen das Gespräch mit Karin Mielke zu suchen. "¿Geh doch mal zu Frau Mielke, die regelt das' sagen sie dort immer", erzählt die 59-Jährige. Es sind vor allem ihre Klienten, die sie in ihrer komplizierten Situation aufbauen und sie ermutigen. "Als damals meine 1-Euro-Job-Maßnahme auslief, wollten ein paar von ihnen eine Unterschriften-Aktion starten und diese beim Jobcenter einreichen, damit ich bleiben kann", erzählt sie und lächelt dabei. Genützt hat es nichts, aber es war, genauso wie die Auszeichnung am Tag des Ehrenamtes, eine Geste der Anerkennung und der Wertschätzung - dessen ist sie sich bewusst.
Doch als Karin Mielke merkt, dass es gerade um ihre Person geht, redet sie schnell weiter. Denn schließlich steht sie nicht gern im Mittelpunkt und spricht lieber darüber, was sie tut als was sie ist. Und das, was sie tut, füllt sie aus. "Individuelle Beratung ist genau mein Ding. Das macht mir Spaß, und das werde ich auch weiterhin tun - auch dann, wenn ich vielleicht bald nicht mehr so viel Zeit dafür haben werde", verspricht Karin Mielke.
Quelle:
Volksstimme | Erscheinungsdatum 06.12.2011 | Autor: Christopher Kissmann