"Vielfalt tut gut" - Aktuelles
LAP Burg in Magdeburg vorgestellt
Am 13. Mai 2009 fand im Sozialministerium Sachsen-Anhalt in Magdeburg eine landesweite Konferenz „Vielfalt tut gut in Sachsen-Anhalt“ – Erfahrungen, Strategien und Konzepte für Demokratie und Toleranz statt. Der LAP Burg hat sich im Rahmen eines „Marktplatzes für Ideen, Konzepte, Methoden“ den Teilnehmenden und dem Fachpublikum vorgestellt. Die Veranstaltung wurde sehr gut von den Mitwirkenden in der politischen und interkulturellen Bildungsarbeit angenommen. Interessante inhaltliche Beiträge der renommierten ReferentInnen und eine Podiumsdiskussion mit Beteiligung der Vorsitzenden allen Landtags-Fraktionen haben wertvolle Impulse für die Weiterführung unserer Arbeit gegeben.
Die Integrationsbeauftragte Frau Susi Möbbeck hat die Konferenz eröffnet. In Ihrer Rede schilderte Frau Möbbeck die Herausforderungen für die Integration von MigrantInnen und die Entwicklung einer interkulturell offenen Gesellschaft unseres Landes. Sie unterstrich, dass die interkulturelle Öffnung und Stärkung von MigrantInnen und Unterstützung der Migrantenorganisationen ist ein wesentlicher Teil des Engagements gegen Rechtsextremismus und, angesichts einer hohen Anzahl der rechtsmotivierten Gewalttaten, besonders wichtig ist.
In einem Impulsreferat blickte die Staatssekretärin des Sozialministeriums, Frau Prof. Dr. Christiane Dienel, auf die Entwicklung des Verständnisses für die Problematik des Rechtsextremismus in den letzten Jahrzehnten in der Bundesrepublik und die Entstehung entsprechender Förderprogramme zurück. Laut der Referentin „wird Nazismus und Rassismus als gesamtgesellschaftliches Problem und nicht als Verhaltensentwicklung einiger Jugendlicher bewertet“. Daher gilt es, „von der Mitte den Rand der Gesellschaft zu erreichen“ und zu diesem Zweck, attraktive Angebote für Jugendliche zu gestalten. Als wichtige Rahmenbedingungen für die Stärkung der Demokratie benannte sie Stärkung der MigrantInnen als „besten Botschaften der offenen Gesellschaft“, schlagkräftige Strukturen mit verlässlicher Finanzierung und Zusammenarbeit auf allen Ebenen.
Herr Prof. Dr. Roland Roth von der Hochschule Magdeburg-Stendal hat mehrere wichtige Themen für die Weiterführung des Engagements gegen Rechtsextremismus auf allen Ebenen angesprochen. Er hat auf mangelnde Übereinstimmung in der Wahrnehmung der Ausbreitung und der Gefahr von Rechtsextremismus zwischen den nicht-staatlichen Akteuren der Antirassismus-Arbeit und den staatlichen Verwaltungsstrukturen hingewiesen. Als eine der wichtigsten Aufgaben der Gesellschaft benannte der Referent, die Entwicklung von Demokratie, um der Demokratieentleerung und dem fehlenden Glauben an unser gesellschaftliches System, besonders unter den Jugendlichen, entgegenzuwirken sowie die Ausbreitung von populistischen extremen Gesellschaftsbildern zu verhindern. Herr Roth hat kritisiert, dass der Staat versucht, die Daueraufgaben der Gesellschaft mit Programmen kurzer Zeit zu bedienen. Es mangelt an einem kontinuierlichen und nachhaltigen landesweiten Programm zur Demokratieförderung und Erhaltung eines Grundbestands der Strukturen. Die chronischen Krankheiten der Bildungsarbeit „Projektitis“ und „Programitis“ müssten beseitigt werden, um aus den Projekten eine sinnvolle Nutzung ziehen zu können. Abschließend hat der Referent angemerkt, dass das Land in der Verpflichtung ist, die lokal verankerte Aufgaben der Demokratieentwicklung zu Fördern und „dafür grade zu stehen“.
Bei der Konferenz wurde das Strategiepapier der renommierten Vereine und Verbände der interkulturellen Arbeit und politischen Bildung veröffentlicht „Gelebte Demokratie ist die beste Rechtsextremismusprävention – Perspektiven für ein weltoffenes Sachsen-Anhalt“. Das Strategiepapier benennt Lokalen Aktionspläne, neben mobiler / regionaler Beratung, mobiler Beratung und Unterstützung für Opfer rechter, rassistischer und antisemitischer Gewalt, dem Landesnetzwerk für Demokratie und Toleranz, welches 280 Akteure verbindet sowie der lokalen Bündnisse und Initiativen vor Ort, als eines der wichtigen Strukturen in der Prävention des Rechtsextremismus. Es wird folgende Empfehlung an die Landesregierung formuliert: „Perspektivisch kommt es darauf an, die Entwicklung und Ausgestaltung der lokalen Aktionspläne flächendeckend, nachhaltig und unbürokratisch zu ermöglichen. Dabei sind alle Akteure – Bund, Land, Kommunen und die Zivilgesellschaft – gefordert, diese partizipativen, wertvollen Strategien und Maßnahmen zur Demokratieförderung in Sachsen-Anhalt weiterzuentwickeln und abzusichern“. Wir hoffen, dass in diesem Sinne, wird unsere Arbeit auch in der Zukunft einen Beitrag zur Förderung von Toleranz, Vielfalt und Demokratie leisten können.